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Erfolgreiche Aktionstage und Großdemonstration gegen Rheinmetall in Berlin

Das Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion hat vom 10. bis 12. Juli im Volkspark Humboldthain in Berlin-Wedding ein antimilitaristisches Protestcamp mit unterschiedlichen Aktionen und einer Großdemonstration unter dem Motto: „Geld für den Kiez statt Waffen für den Krieg!“ organisiert.

Mindestens 600 Menschen haben an dem Protestcamp sowie den dezentralen Aktionen teilgenommen – wie den Kundgebungen am Jobcenter Leopoldplatz, am Rheinmetall-Werk und am DRK-Klinikum in Berlin-Mitte. Im Humboldthain gab es Podiumsdiskussionen, Kultur, Essen und Infostände, um sich kennenzulernen, sich zu informieren und um gemeinsam über die deutsche Aufrüstung zu diskutieren. Diese Gelegenheiten haben Menschen mit den verschiedensten Hintergründen genutzt – jung und alt, aus der Nachbarschaft, aus ganz Berlin und von außerhalb sind in den Humboldthain geströmt. 

In einer solidarischen gemeinsamen Anstrengung vieler verschiedener Gruppen und eines großen Unterstützer*innenkreises aus Einzelpersonen und Kollektiven – Küfa, Sanitäter*innen, Technik, Transport, Graffiti – wurde das vielfältige antimilitaristische Angebot auf die Beine gestellt.

Und das an einem historisch bedeutsamen Ort: Bereits im Juli 1914 versammelten sich tausende Arbeiter*innen im Humboldthain, um gegen den drohenden Krieg zu protestieren. 

Etliche kamen aus den Schwartzkopff-Werken (heute Rheinmetall). Nach dem elenden Massensterben des Weltkriegs, das unter anderem durch die revolutionären Matrosen beendet worden war, versammelten sich am 9. Januar 1919 im Humboldthain 40.000 Arbeiter*innen der AEG und der Schwartzkopff-Werke, und beschlossen die „Einigung der Arbeiter aller Richtungen“.

Sind nach einem Jahrhundert und zwei Weltkriegen die Lehren daraus schon vergessen? Über 5.000 Menschen meinen „Nein!“ und demonstrierten am 11. Juli 2026, kreativ und kämpferisch gegen Kriege und Genozide, die Rüstungsindustrie, Militarisierung, Wehrpflicht und den Abbau des Sozialstaates. Auch die Klima- und Menschenrechtsaktivistin Aktivistin Greta Thunberg hatte sich dem Demozug kurzfristig angeschlossen. Vielfätige politische Spektren reihten sich entschlossen und solidarisch in den großen Demozug ein: Jugend, Sozialismus, Internationales, Palästina-Solidarität, Feminismus, Antifa, Klima, Gewerkschaft, Parteien und Nachbarschaft. Die Clowns-Armee, mehrere aktivistische Percussion-Bands und eine solidarische Wasserverteilaktion sorgten für den Beat und die nötige Energie. Viele Nachbar*innen solidarisierten sich spontan vom Straßenrand oder aus den Fenstern.

Darüber hinaus gab es immer wieder spontane Protestaktionen. Bereits am Donnerstag, 9. Juli, blockierten etwa 50 Menschen in den frühen Morgenstunden das Werkstor von Rheinmetall. Weitere dutzende Menschen versperrten die Zufahrtswege zum Werk in der Umgebung. An der Blockade des Werkstors beteiligte sich auch das bundesweite Aktionsorchester Lebenslaute. „Wir solidarisieren uns mit allen, die sich der Waffenproduktion mit ihren Körpern hier im Wedding und überall in den Weg stellen.“ so Mischa Maier vom Berliner Bündnis gegen Waffenproduktion.

„Die Bewegung ist vielfältig und wächst, weil die Aufrüstung uns alle angeht – in unterschiedlicher Weise. Wir müssen alle zusammenhalten und entschlossen gegen die Kriegsvorbereitungen der Bundesregierung vorgehen“, sagt Milla Mallikas, eine der Pressesprecher*innen des Bündnisses.

Rheinmetall stellt seinen ehemaligen Automobilzulieferer Pierburg in Berlin derzeit auf Waffenproduktion um und die Berliner Polizei antwortet auf Proteste dagegen mit gezielter Härte und Gewalt – auch dieses Wochenende.

Nur zwei Tage vor der Demonstration hat die Polizei es untersagt, den Demonstrationszug am Rheinmetall-Werk in der Scheringstraße vorbeilaufen zu lassen und die komplette Straße gesperrt. Das Werk hat eine große Symbolkraft und die geplante Zwischenkundgebung am Werk wäre wichtig gewesen. Zahlreiche Beiträge konnten deshalb nicht stattfinden. Das Verbot wird vom Bündnis als eklatanter Eingriff in die Versammlungsfreiheit gewertet.

Zudem ließ die Polizei den Zug erst stark verspätet loslaufen und stoppte ihn wieder unter fadenscheinigen Begründungen für eine ganze Stunde – ohne Schatten bei etwa 30 Grad Hitze und ohne Verpflegungsmöglichkeiten in nächster Nähe, sodass sich viele gezwungen sahen, die Demonstration zu verlassen. Es kam auch zu Gewaltausbrüchen seitens der Polizei mit verletzten Protestierenden.

Das Bündnis zeigt sich trotz aller Hürden zufrieden und zuversichtlich. 

„Wir waren vielfältig: wütend, entschlossen, kämpferisch, lautstark. Wir waren mit Kinderwagen und Rollis unterwegs. Wir waren Ü70 und U16. Wir hatten unzählige selbstgebastelte Schilder gegen Krieg und Militarisierung dabei. Und wir haben den Angriffen auf unsere Demonstration getrotzt. Wir haben gezeigt, dass Wedding keine Waffenfabrik will – nicht hier und nirgendwo!“, so Mallikas.

Wir haben uns gemeinsam gegen die staatlichen Repressionen und Polizeigewalt gewehrt und rechte Streamer blockiert. Ein Statement zu polizeilichen Maßnahmen vor und während der Demo folgt.